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Schlaubetalmarathon

Mein erstes Mal- Schlaubetalmarathon am 23.10.2010
Ein Bericht von Claudia Zimmermann

Fast zwei Jahre hat es gedauert. Im Januar 2009 hab ich mit dem Laufen angefangen, im Oktober 2009 schaffte ich es in 2:12 einmal um den Müggelsee. Im Oktober 2010 bewältige ich 42,2 km (liebe Veranstalter, waren das nicht DOCH ein paar Meter mehr?) in 5:06. Das hört sich jetzt nicht so bombastisch an,  aber mich macht es mächtig gewaltig stolz.

Beim Abholen der Startunterlagen für den BIG 25 entdeckte ich den Flyer für den Schlaubetal-Marathon. Ich wollte dieses Jahr unbedingt einen Marathon laufen (ich war ja dabei mich langsam heranzutasten – 25 km in Berlin, 30 km in Schwerin) und es sollte nicht solches Stadtgelaufe sein, da war ich mir sicher. Auf den Fotos  sah es  aus, wie im Erzgebirge - romantisch, idyllisch. Die Homepage war liebevoll gestaltet und auf der Facebook Seite gab es immer wieder interessante News und lustige Diskussionen.

 Ich hab mich angemeldet, aber was der Lauf (neben den normalen Anforderungen eines Marathons)  mir abverlangen würde, das dämmerte mir ganz langsam: Immer dann, wenn erfahrene Läufer große Augen machten und fragten, ob ich den WIRKLICH laufen wolle, dachte ich ‚Hoppla!‘.  Und ein paar Tage davor, als ich mit dem Cursor auf dem Höhenprofil lang fuhr  - 100 Höhenmeter rauf und runter und wieder rauf etc. - da wurde mir extrem mulmig. Aber was ich mir vornehme, das ziehe ich durch, und so gab es auch diesmal kein Zurück. Richtig verstanden, was es heißt, eine solche Strecke zu laufen,  hab ich erst hinterher.

Ich war sehr glücklich und dankbar, dass mein Mann und meine Tochter mich begleiten würden. Ich wusste, dass ich diese moralische (und praktische) Unterstützung brauchen würde, da es ja weder Trommelgruppen noch anfeuernde Menschenmassen geben würde. Das bedeutete auch, dass ich mich bequem ins Auto setzten konnte, statt den Zug nehmen zu müssen. Freudig überrascht war ich dann, als Birgit Mohr mich anrief und meinte, dass sie sich jetzt nachmelden würde, um auch auf die Marathonstrecke zu gehen. Außerdem war auf den letzten paar Kilometern ein Berliner Auto hinter uns, aus dem dann Wolfgang Preiß stieg, ein weiterer Läufer der Friedrichsfelder Laufgruppe.

Oktober 107Ein goldener, perfekter Herbstmorgen mit strahlenblauem Himmel. Ein bisschen Wind, etwa 12 Grad. Vor der Inselhalle waren erstaunlich viele Menschen, wenn man bedenkt, dass nur ein paar Hundert an diesem Tag eine der Distanzen (10, 21 und 42) unter die Füße nehmen würden. Zeit, die letzten Vorbereitungen zu treffen, ein bisschen warm machen, nochmals besprechen, wo man sich treffen würde, ein schnelles Foto mit Birgit kurz vor dem Start und dann ging es schon los.

 

 

 

Oktober 112Erstmal durch die Stadt. Dann bergauf, an Feldern vorbei in Richtung des Dörfchens Diehlo. Birgit war in Sichtweite, ich reihte mich hinter zwei Männern ein. Nachdem die 10er und Halbmarathonis uns verlassen hatten,  wurde es einsam. Umso verbissener  verfolgte ich meine Vordermänner.  Dann Wäldchen, Hügel und großer finsterer Märchenwald und die Schlaube mit vielen Wanderern  und ich freute mich auf Kilometer 18 (ein Verpflegungspunkt und Treffpunkt mit meinen Begleitern). Die Mühle sah extrem romantisch aus. Aber meine Crew war nicht da! Es ging mir aber gut, also machte ich mich wieder auf die Socken. Ich nahm mir vor, mir keine Gedanken zu machen und mich um so mehr auf das nächste Treffen bei Kilometer 30 zu freuen.

Jetzt ging es über die Straße und dann an einem endlosen See entlang. Die nächsten 13 km hatte ich mir auf meiner Karte als anstrengendes Bergaufstück markiert. Beim Halbmarthonpunkt hatte ich 2:16 auf meiner Uhr stehen. Damit war ich nicht recht zufrieden. Aber, da das erklärte Ziel nur Ankommen hieß, beschloss ich den dummen Ehrgeiz zu vergessen. Dann kam eine kleine Brücke und ich lächelte, was das Zeug hielt, in eine Kamera. Ich war zwar ständig dabei, meine Körpersignale zu beargwöhnen, aber eigentlich ging es mir super.

Kurz nach der Brücke blieb mein Vordermann im weißen Shirt zurück. Da hat der liebe Gott mir Dirk geschickt. Marathonneuling wie ich, schweigsam, kämpferisch, mit aufmunterndem Lächeln. Mir ist das Lächeln so bei Kilometer 26 vergangen.

Dann kamen, mitten im Wald, meine Begleiter. Hurra! Ein Gel, ein Schluck Wasser, ein schnelles Foto. Weiter. Bergauf, bergab auf einem Radweg zur nächsten Ortschaft. Da überholten mich zwei nett lächelnde Mitglieder des  100 Marathon Clubs. Mein Neid kannte keine Grenzen.

Oktober 117Von da ab war es ein einziger Kampf. Noch zweimal wartete meine Crew auf mich. Lief sogar ein Stück mit. Ich versuchte immer neben oder kurz hinter Dirk zu bleiben. Es gelang mir bis zum letzten Verpflegungspunkt, von wo dem aus man eine bombastische Aussicht hatte. Eisenhüttenstadt lag einem zu Füßen. Immerhin.

Mir half es nicht, dass es bergab ging. Zu dem Zeitpunkt tat mir ALLES weh. Mein Rücken, mein linkes Schienbein, mein Bauch, jeder Muskel. Unten angekommen, ging es noch zickzack an einem Einkaufscenter vorbei. Über eine große Straße, durch einen Park. Wo ist das blöde Ziel???

Dann endlich nach fünf Stunden und sechs Minuten erreichte ich, mehr tot als lebendig, die Inselhalle. Beinahe wäre ich noch am Ziel vorbeigerannt. Die neonroten Verkehrshüte hätte ich doch beinahe übersehen. Im Ziel angekommen, ließ ich mir eine Urkunde in die Hand drücken, eine wunderschöne Medaille umhängen und ein kuschliges goldgelbes Duschtuch aushändigen (super Idee!).

Oktober 129

    Schlaubetal (3)1

 

Eine EWIGKEIT unter der heißen Dusche. Knochen sortieren. Auf dem Nachhauseweg Gespräche darüber, was ich als nächstes laufe. Ich bin auf den Geschmack gekommen. Dem ersten Mal sollen noch viele folgen, so Gott will…

Ergebnisse :

Wolfgang Preiß     04:20:26 h
Birgit Mohr         04:40:23 h
Claudia Zimmermann 05:06:53 h