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OstseeMan –Triathlon , Glücksburg 04.08.2013
3,8 km Schwimmen – 180 km Rad – 42,195 km Laufen

ein Bericht von Doreen Körber

Nachdem ich letztes Jahr meine Freundin Andrea beim OstseeMan supportet hatte, stand für mich fest, dass ich hier meinen 1. Ironman finishen möchte. Katrin hatte von Anfang an zugesagt, mich bei dem Projekt Ironman zu unterstützen. Ich war ihr von Beginn an extrem dankbar, für Ihre Unterstützung.

Es begannen 364 Tage der akribischen Vorbereitung. Zwischendurch habe ich noch einen Ultra und 2 Marathons als Test gemacht. 2 mal war ich auf Mallorca, um meine bis dahin größte Schwäche, das Radfahren in den Griff zu bekommen. Trainingsumfänge von zum Teil weit über 20 Wochenstunden aufgeteilt in 8-9 km schwimmen 300-400 Radkilometern und 40-60 Laufkilometern wurden zur Normalität. Es war eine tolle Zeit und eine besondere Erfahrung, die eigenen Grenzen kennen zu lernen und diese immer weiter von sich weg zu schieben. Mein Ehrgeiz zahlte sich aus, meine Formkurve stieg nach oben und Belastungen über 7 Stunden am Stück waren einfach nur noch ganz normales Training. Meine Lieblingsradtour war Berlin - Polen und wieder zurück. Ein tolles Gefühl der Freiheit, mit den eigenen Kräften so weit zu kommen, egal wie weit und ob zu Wasser oder zu Land. Es ist unbeschreiblich, morgens bei aufgehender Sonne oder im Regen allein im See 3 km zu schwimme, zu erleben, wie sich die Radstrecke mit der Jahreszeit an die Natur anpasste. Nach wirklich harten Trainingswochen und Monaten, begann die lockere Taperinphase von 2 Wochen. 11 Training Stunden fühlten sich plötzlich wie nichts an. Ein gutes Zeichen.

Gemeinsam mit Norbert und Andrea reiste ich am 1. August nach Glücksburg. Die Wetter- prognosen für den 4. August waren super, 24 Grad, Sonne und wenig Wind. In Glücksburg war bereits am Freitag, 2 Tage vorher, Ausnahmezustand. Überall Triathleten, die genau wie wir, die Radstrecke ein- oder mehrmals abfahren wollten, Zeitfahrräder vorm Supermarkt und Radgepäckträger auf jedem 2. Auto.

 

Der 4. August:

Ich wurde nach 4 Stunden Schlaf um 3 Uhr morgens wach und fühlte mich gut. Die Räder wurden schon am Vortag eingecheckt. Wir, also Katrin, Norbert, Andrea und ich fuhren um 4:30 Uhr zur Wechselzone. Dort gab es erstmal einen Kaffee aus der mitgebrachten Thermoskanne. Wie oft hatte ich diesen Tag schon in Gedanken durchgespielt. Das Rad wurde mit Essen bestückt, die Kleiderbeutel für die Wechsel noch einmal kontrolliert. Mein erstes persönliches Highlight war die Beschriftung des Oberarms - das erste Zeichen, dass heute mein großer Tag ist. Um 6:30 begann das Einschwimmen... und ich sah sie schon meine “Freunde” .... die Feuerquallen. Ein Traum! Na ja, auch die sollten mich nicht abhalten, eine OstseeWoman zu werden.

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Um 7:00 Uhr erfolgte der Startschuss zum 3,8 km Schwimmen. Ich fand schnell in meinen Rhythmus. Auch das Orientieren war kein Problem. Leider bekam ich durch das viele Salzwasserschlucken Magenprobleme, so dass ich das Schwimmen nicht so genießen konnte, wie erhofft. Umringt von Quallen, ging ich auf die 2. Schwimmrunde. Zwischendurch merkte ich auch eine Tentakel im Gesicht. Die Feuerquallen machten ihren Namen also alle Ehre. Ein Teil des Abschnitts war jedoch so klar, dass man bis zum Grund gucken und Seesterne sehen konnte. Am Wendepunkt bei km 3 meinte einer der Athleten: Los Jungs und du Mädel, auf nach Hause. Das motivierte mich nochmal und ich konnte trotz der Magenprobleme gut zum Ufer schwimmen.

Ich landete mit 1:29 h fast eine Punktladung zu meiner erwarteten Ankunftszeit von 1:30 h. Leider habe ich meinen Bike-Wechselbeutel beim Weg zum Rad vergessen, so dass ich nochmal am Wechselzelt angekommen, umdrehen musste. (Natürlich hatte ich den Beutel um 6:20 Uhr morgens dort noch hingelegt...)

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Nun ging es auf die 180 km Radstrecke mit 1700 Höhenmeter. Es galt 6 Runden a 30 km zu fahren. Vom Training her wusste ich, dass ich des Öfteren kurze Pausen von 1 Minute machen musste, um am Ende nicht völlig fertig vom Rad zu steigen. Die Bedingungen waren traumhaft. Ich konnte sogar den einen oder anderen überholen. Die Runde war landschaftlich ein Traum: vorbei an Dünen, Feldern und direkt an der Ostsee mit Blick auf Dänemark vorbei. Runde für Runde strampelte ich so gut es ging in die Pedalen... Die Anstiege wurden langsam “die Alpen” und der letzte war gefühlt der “Mount Everest”. Mit 6:55 h stieg ich vom Rad. Ich war extrem zufrieden. Die Beine fühlten sich noch gut an und mental gibt es einen Spruch für Andrea und mich: “Beim Laufen sind wir zu Hause”.

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Also ging ich gemütlich (6:13 min /km !, d.R.) auf die erste von fünf Marathonrunden, vorbei an der Glücksburger Strandpromenade, der Innenstadt, Parks und dem Schloss, wo die Herzogin selbst Wasser reichte. Die Verpflegung war super, alle 2 km Wasser, Iso und alles, was das Thriath-
letenerz bzw. der Magen noch so begehrt bzw. verträgt. Leider wurden meine Magenprobleme nicht besser, so dass ich mich ausschließlich von einem Wasser-Kohlenhydratgemisch ernährte. Pro gelaufener Runde hab es ein blau-weißes Kettchen um den Hals. Es war interessant zu beobachten, je mehr Kettchen ein Athlet um den Hals trug, um so leerer wurde sein Blick. Bei Runde 4 angekommen, hat es mich auch endlich erwischt. Es konnte doch nicht sein, dass ich mich monatelang auf Qualen und Schmerzen eingestellt habe und dann nichts von dem zu merken. Kreislaufprobleme und Erschöpfung machten sich langsam bemerkbar. Katrin schnappte sich ihren Rucksack und wir trabten gemütlich die letzten beiden Runden. Katrin konnte so auch mal einen Eindruck der Laufstrecke gewinnen und wir plauderten über das Geschehen in den restlichen 11 Stunden. Ich habe mich an jeder Wasserstation erfrischt und meine beiden Schwämme. Langsam konnte ich wieder geradeaus blicken, ohne durch einen Schleier zu sehen.

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Auf den letzten 500 Metern war ich wieder allein. Ich begriff ein wenig, meinen Traum gelebt zu haben. Da ich doch in meiner eigenen Welt aufgrund der körperlichen Belastung war oder mir zur wirklichen Freude die Kraft fehlte, konnte ich in den Moment nicht voll erfassen. In meinen Gedanken hatte ich mir sehr häufig den Zieleinlauf vorgestellt, allerdings dunkler. Ich war 1h früher als erwartet dort. Nach 13:48 h durchquerte ich den Zieltorbogen und es kamen die langersehnten Worte: “Doreen, du bist ein OstseeMan!”. Ich habe es geschafft: 3,8 km schwimmen, 180 km Radfahren und anschließend noch einen Marathon über 42 km. Ein paar Minuten später habe ich es wirklich verstanden, endlich eine “Eisenfrau” geworden zu sein.

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Es war ein grandioser Tag, der mich für alles entschädigt hat. Ein riesiges Danke an alle, die mich unterstützt haben, diesen Traum Realität werden zu lassen.