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Hallenhalbmarathon in der Niederlausitzhalle Senftenberg 19.01.2013

Ein Bericht von Annette Kokoschko

Es ist Mitte Januar, die Temperaturen liegen im Minusbereich und man muss sich schon ziemlich überwinden, einen längeren Lauf in der Natur zu wagen. Da bleiben einem nur zwei Möglichkeiten: Entweder ab in den Süden oder mal in einer Halle schwitzen.

Ich entscheide mich für Letzteres, die Halle steht in Senftenberg, die Niederlausitzhalle und ich höre verschiedene Meinungen rundherum. So sagen die Einen, dass es ganz spaßig wäre, mal einen Lauf in dieser Halle zu wagen. In meiner Laufgruppe erfahre ich eher Skepsis und werde auch für verrückt erklärt, auf einer 250 Meter Bahn einen Halbmarathon laufen zu wollen.

Aber wer mich kennt, weiß, dass ich alles ausprobiere und mich schwer von einem Entschluß abbringen lasse. Und einen Vorteil hat dieses Vorhaben auch. Frau braucht sich keine Gedanken wegen der passenden Kleidung zu machen und frau hat alle 250 Meter eine Toilette und auch eine Verpflegungsstelle zur Verfügung. Alle Laufdistanzen werden in Senftenberg angeboten. Vom 5 km bis 50 km kann man/frau alles laufen. In diesem Jahr auch erstmalig ein Halbmarathon.

Nach wochenlanger Laufabstinenz wegen meinem Muskelfaserriß im November 2012 war also dieses Laufevent mein Favorit, um wieder in meine alte Form zu kommen. Meine langjährige Lauffreundin Billy, auch verletzungsbedingt im November und Dezember ausgeknockt, war von dieser Idee ebenso begeistert und so meldeten wir uns an und reservierten auch gleich einen Schlafplatz in der Halle. Denn der Start unseres Halbmarathons war erst für 23 Uhr vorgesehen.

So richtig konnte ich mir das nicht vorstellen, dort in der Halle 85 Runden zu laufen. Aber die Neugier und die Lust haben meine Zweifel schnell verdrängt.

 

Gegen 18 Uhr sind wir bereits in der Halle, unsere Startunterlagen abzuholen und unseren Schlafplatz zu beziehen. Es ist auch immer etwas wie Ferienlagerstimmung , wenn ich irgendwo während eines Laufes übernachte und Billy und ich sind da schon ein eingespieltes Team.

 

Wir beobachten also die Läufer der Marathondistanz und sind ganz überrascht, wie dunkel es doch in der Halle ist und vor allem wie kalt.

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Als Zuschauer muss man sich schon warm anziehen. Die Läufer sausen an uns vorbei und ich mache mir über das diffuse Licht der verschieden farbigen Lichtschläuche  so meine Gedanken. Und auch vor allem darüber, woran ich sehe, wieviel Runden ich bereits gelaufen bin und wieviel Runden noch vor mir liegen.

 

Diese Frage bekommen wir beim Beobachten der Marathonläufer schnell beantwortet. Es gibt eine große Anzeigetafel, wo jede Startnummer des Läufers erscheint, der gerade die Meßmatte passiert hat (der Ship am Schuh löst die Messung aus) …. und dann kann von jdem Läufer selbst gelesen werden, so quasi beim Vorbeilaufen, wieviel Runden gelaufen wurden.

 

Ich entscheide mich für meine Brille und hoffe darauf, dass alles gut läuft.

 

Als der Startschuss fällt prescht das Feld los und schon nach wenigen Metern geht es in die erste von insgesamt 170 Kurven, die aufgrund des Radius schräg verlaufen. „Was für eine Herausforderung“….schoß es mir in den Kopf, vor allem für Hüft-,Knie- und Sprunggelenke. Und ganz ehrlich: Ich hatte nicht erwartet, dass die Kurven so steil gestellt sind.

 

Und trotz der limitierten Starterzahl von 62 Läufern ist das Feld doch dicht gedrängt. Auch die Hoffnung, dass sich dies bald irgendwie ändert, musste ich schnell begraben. Zwar zieht sich das Feld zeitlich schnell auseinander, aber durch die kurzen Runden wird dies schnell kompensiert. Man muss sich also ständig überlegen, ob man vor der Kurve noch schnell Gas gibt, um den Läufer vor einem zu überholen, oder in der Kurve hinter ihm herzutrotten und dann erst auf der kurzen Geraden zu überholen.

 

Dieser Laufstil läßt keinen kontinuierlichen Laufstil zu und ist dazu auch noch recht kräftezehrend. Auch die Lichtverhältnisse irritieren mich massiv. Ich versuche locker zu bleiben und die ersten Rundenzeiten fühlten sich auch gut an. Immer so um 01:30 min auf 250 Metern, was eine Pace von  6:00 Minuten pro Km entsprach. Doch das Licht nervte mich und ich versuchte mich nicht allzu oft vom Blitzlicht der Fotografen blenden zu lassen.

 

Die Runden flutschten hintereinander weg und das machte auch irgendwie Spaß. Ich war jedoch ständig am Überlegen, wann ich wie überhole. Es war ein stetiger Wechsel von Überholen und Überholt-Werden. Rein optisch betrachtet gibt es in dieser Halle keinen Letzten. Die Stimmung in der Halle ist super, ständig laufen die gängigsten Musiktitel und man konnte sogar vor dem Start drei Lieblingstitel auf die Wunschliste setzen lassen. Die Musik begeistert mich und motiviert zusätzlich.

 

Schon ab Runde 60 kann ich miterleben, wie nach und nach die schnellen Läufer im Ziel begrüßt wurden.

 

Ich ziehe weiter meine Runden und dann kommt pötzlich auch für mich der Zuruf vom Moderators: „…so Annette aus Berlin….hab‘ auch Du Spaß auf Deiner letzten Runde….gleich hast Du es geschafft“. Ich genieße die letzten Meter und freue mich über Billy’s Empfang im Ziel und über meine Zeit nach meiner Verletzungspause…..und auch darüber, dass ich mich für diesen Lauf entschieden hatte.

   

 

Fazit: Eine gelungene, peferkt organisierte Veranstaltung. Die Helfer sind engagiert und freundlich. Auch die Verpflegung lässt kaum Wünsche offen. Medaillen und Urkunden für jeden Finisher und Präsente für die Sieger. Und auch wenn es nicht jedermanns Sache ist, Runden in einer Halle zu laufen, ist diese Laufveranstaltung mit seiner bunten Vielfalt sehr zu empfehlen.